מציבה למרת שולמיצ בלימא בולאג

הקמת מציבה למרת שולמית בלימא בולאג
ההספד שנשא נכדה אוריאל אליהו

Lieber Opi,
Lieber Papi und Ruth,
liebe Familie und Bekannte,

Während wir vor eineinhalb Wochen Yom Hashoa, und in der Woche darauf Yom Hasikaron und danach Yom Ha’atzmaut gedachten und zelebrierten, haben wir uns nun hier zusammengefunden um unseren eigenen Tag des Gedenkens an unsere Omi zu begehen. Passend zu Omi ist der Zeitpunkt, der Beginn des jüdischen Monates Iyar, an dem sie uns verliess, in der, dem modernen Judentum wohl aufwühlendsten Jahreszeit. Diese Ereignisse prägten Omis ganzes Leben. Die Schrecken der Shoa die Omi als junges Mädchen am eigenen Leib erfahren musste, deren Gefühle und Ängste einen Menschen, und so auch Omi, sein ganzes Leben begleiten, schufen jedoch auch eine Zugehörigkeit und Verbindung zu ihrem Volke die Omi bis zu ihrem letzten Tag nie los liess. Mehr als alles trauerte Omi um den Verlust ihrer Schwester Naomi für deren Mord sie nie die aufschlussreichen Antworten erhielt die sie sich gewünscht hatte. Zu gross die Zahl der ermordeten Brüder und Schwestern um für jede verlorene Seele eine Geschichte zu erzählen.

Und doch, mindestens genauso wie Omi an einem Yom Hashoa trauerte und gedachte, so feierte und zelebrierte sie an Yom Ha’atzmaut, sah den Staat Israel als das Glück das der Katastrophe des Holocausts entstieg, als den Triumph G’ttes Volkes über noch einen Bösewicht der in seiner Mission, das Wunder des Judentums den Geschichtsbüchern zu entziehen, scheiterte.

Nicht umsonst folgen diese Tage der Freude unmittelbar den Tagen der Trauer über die verlorenen Helden unseres Volkes und Landes, denn diese Achterbahn der Gefühle, spiegelt den Rationalismus und Realismus unseres Glaubens wieder. Kein Glück kann ohne vorheriges Leid geschätzt, kein Leid ohne darauffolgendes Glück ertragen werden. Das Judentum selbst, nie hätte Jahrtausende der Diaspora durchstehen können ohne konstante Verfolgung und Bedrohung die das jüdische Gemeinwesen durch die Geschichte hindurch immer wieder bestätigte und stärkte. So ist es das Los praktisch jeder jüdischen Generation, ihre Identität zu verteidigen, G’ttes Schutz zu vertrauen, und sich für das Leben und das Glück statt für den Tod und die Trauer zu entscheiden. Omi tat dies, und als ihre Nachfahren ist es unsere Pflicht dasselbe zu tun. So stehen wir heute hier und trauern um den Verlust unserer geliebten Ehefrau, Mutter und Grossmutter, feiern aber gleichzeitig ihr Leben, ihre Errungenschaften und ihr Vermächtnis.

Omis persönliche Rache bestand darin ihrem Glauben treu zu bleiben, das Leben von neuem zu ergreifen, zu heiraten und Kinder zu zeugen. Das Judentum zu erweitern, statt es zu dezimieren.

Die Glasner Dynastie deren Herrschaft abrupt und gewalttätig beendet wurde, und deren letzter Zeuge Omi war, wird weitergeführt. Wenn nicht durch die Toragrössen die unsere ungarischen Vorfahren waren, dann durch die Aufrechterhaltung ihrer Traditionen, durch die Weitergabe ihrer durch und durch jüdische Weltanschauungen, ihres Mutes und ihrer Integrität.

Viele Fragen die ich Omi noch hätte stellen wollen werden unbeantwortet bleiben. Der Wunsch noch einmal ihr Essen zu kosten, sich mit Omi und Opi im Wohnzimmer zu unterhalten oder noch ein letztes Mal mit ihr das Trutz zu besteigen wird unerfüllt bleiben. Aber Omi wird niemals von uns vergessen werden, ihre Leibhaftigkeit immer vor unseren Augen in Erscheinung bleiben und ihr ungarisches Blut das weit mehr als nur ein Viertel unserer Erbguts darstellt, wird in unseren Venen weiterfliessen. Und wenn, eines Tages in der fernen Zukunft auch Omis letztes andenken mit uns scheidet, dann wird klein Schulamis Bliime schon wieder als Omi Mimi die Geschichte weiterschreiben.

יהי זיכרה ברוך